Hobelbank Selber Bauen: Das Herzstück Jeder Werkstatt Teil 1/4

Konstruktion und Arbeitsplatte der Hobelbank

Puh, das wird eine lange Geschichte!

Zuerst war da eine Idee, eine Vision, ein Traum… es sollte also eine Hobelbank werden. Vorweg muss ich sagen, dass dies mein erstes wirklich großes Bauprojekt war, bei dem ich bis auf Ausnahmen nur traditionelle Techniken verwenden wollte. Und mein Werkzeugbestand war damals noch sehr bescheiden.

Zuerst stand der Entwurf. Da das Projekt schon einige Jahre her ist, habe ich leider meine Konstruktionspläne nicht mehr, aber durch die Bilder und Beschreibung wird die Konstruktion hoffentlich klar werden. Ich wollte, wie immer, meinen ganz eigenen Entwurf umsetzen. Also wenn man eine Hobelbank selber bauen möchte, gibt es zuerst einge Fragen, auf die man Antworten finden muss (meine Entscheidungen sind unten jeweils fett makiert):

  1. Welche Funktionen will ich haben: Anzahl Zangen (doppelt geführte Vorderzange), Bankknecht ja/nein (ja)
  2. Holzart: nach Verfügbarkeit, Ahorn, Buche, Eiche, Untergestell eventuell Nadelholz (Buche, voll)
  3. Banklochsystem: Eckige Banklöcher (traditionell in Europa), Rund 20mm (modern Europa), ~19mm bzw. 3/4 Zoll (amerikanisch/englisch)
  4. Höhe (~93cm)
  5. Abmessungen (l x b Arbeitsfläche ca 1800 mm x 700 mm)
  6. Ausrichtung der Zange(n) (vorne/Stirnseite)
Hobelbank mit Veritas Doppel Zwinge ( Veritas Twin screw vise)
Hobelbank mit Veritas Twin Srew Vice Vorderzange

Hobelbank Kapitel 1: zuerst war das Holz

Diese Entscheidung war für mich relativ einfach, aus einem ziemlich simplen Grund heraus: Verfügbarkeit & Preis

Wenn man wie ich aus Österreich / Mitteleuropa kommt, gibt es bei günstigen Harthölzern nicht viel zu Überlegen, die BUCHE ist unser Freund und heißt nicht umsonst die Mutter des Waldes. Ein wunderbarer Baum, dessen Holz äußerst hart ist und in top Qualität so gut wie ohne Äste überall verfügbar ist. Ich finde man sollte den eigenen Hölzern aus vielen Gründen den Vorzug geben. Sie müssen nicht tausende Kilometer transportiert, künstlich getrocknet oder sonstwie behandelt werden, außerdem sind sie heimisch und damit perfekt an unser Klima angepasst.

heimische Hölzer sind an unser Klima angepasst und müssen nicht so viel „arbeiten“ wie Hölzer von weit her

Es hat schon einen Grund, warum in Österreich Buchen und keine Zedern wachsen. Ich verwende lieber Holz von Baumarten, die an das Klima gewohnt sind, in dem nachher auch das Möbel steht. Ein Tropenholz im Österreichischen Winter… das klingt schon „spannend“. Und ganz nebenbei bin ich der Meinung, man sollte als Handwerker, der mit Naturstoffen arbeiten darf, schon auch eine Auge auf die Ökologie haben!

Hobelbank Holz Buche massiv
Das Ausgangsmaterial: gehobeltes Buchenholz für den Hobelbankbau

Es sollte also die Buche sein. In einem nahen Sägewerk (ca. 30km entfernt) habe ich mir ein paar schöne, über 4 Jahre luftgetrocknete, Buchenbretter in der Stärke 80mm ausgesucht und sie dann vor Ort gemeinsam mit dem Sägewerksbesitzer an der Gattersäge aufgetrennt. Dabei habe ich mir Kantel im Format 80 mm x 60mm geschnitten (mit unterschiedlichen Längen je nach Bedarf. Einige Einzeltiele für Füße und Zwingenbacken habe ich mir im jeweiligen Format zugeschnitten.

Tipp: Fragen kostet nichts! Wenn du eine Maschine nicht selber besitzt, frag einen Tischler oder beim Sägewerk um Hilfe!

Damals habe ich noch keinen großen Abricht- und Dickenhobel sleber besessen und so habe ich am Sägewerk vor Ort meine Kantel zuschneiden, abrichten und sogar hobeln können! Danke nochmals an dieser Stelle dafür. Nicht immer hat man die großen professionellen Maschinen selber oder man braucht sie einfach zu selten, als dass sich eine Anschaffung auszahlen würden, dann sollte man sich nicht scheuen und einfach beim Tischler nebenan oder bei Freunden fragen.

Und gleich noch ein Tipp: gib dem Holz unbedingt Zeit, sich an das Klima in deiner Werkstatt zu gewöhnen. Im Sägewerk herscht eine ganz andere Luftfeuchtigkeit und Temperatur als in deiner Werkstatt, das kann dazu führen, dass dein gerade frisch gehobeltes Brett, das kerzengerade war, nach zwei Tagen in deiner Werkstatt wie eine Banane aussieht… ach hätte mir das damals nur auch schon jemand gesagt 😉

Hobelbank Kapitel 2: Die Arbeitsplatte

Als Erstes habe ich angefangen die Arbeitsplatte zu machen und stand gleich vor mehreren Problemen: wie anordnen und wie verleimen ?!

Anordnen heißt, die Wuchsrichtung bzw. die Lage der Jahresringe im Holz zu beachten. Je nach Lage des Brettes (nahe zum Kern oder eher außen im Stamm) liegen die Jahresringe eher senkrecht oder „gebogen“. Man sollte unbedingt darauf achten, dass die Jahresringe immer abwechselnd gelagert sind. Deswegen trennen wir ja auch das Holz vorher auf, sonst könnte man ja einfach ein Brett nehmen, dass 600mm breit ist und sich viel Arbeit sparen. Das würde jedoch dazu führen, dass sich das Brett mit der Zeit wie eine Schüssel biegen würde, was für eine Arbeitsfläche natürlich ganz und gar ungewünscht ist. Deswegen: Auftrennen und abwechselnd lagern, damit man der Tendenz zum Durchbiegen („aufschüsseln“ wie wir in Österreich sagen 😉 ) entgegen wirken kann.

Das Verleimen war damals für mich das Schwierigste. Ich hatte natürlich keine Verleimpresse wie in einer Tischlerwerkstatt und ich hatte einfach nicht genug große Zwingen! Damals war es für mich undenkbar, 200€ nur für Zwingen auszugeben… heute lächle ich und denke an meine mittlerweile gut gewachsene Samlung an Zwingen. Aber man sieht, es geht alles auch mit sehr einfachen Mitteln, es dauert nur UNENDLICH viel länger und die Frustgefahr ist sehr hoch.

Was habe ich also nun gemacht?! Ich hab die Tischplatte in zwei Teile zu je 35cm Breite geteilt und diese Einzelteile verleimt. Anschließend habe ich diese zwei Teile zur Platte zusammengefügt.

Manchmal sollte man sich Fragen: wie werde ich es das nächste Mal ANDERS machen

Das Holz hat gearbeitet und dadurch waren manche Kantel leicht gebogen. Bei Stärken von 80mm braucht man verdammt viel Kraft, um eine Biegung mit einer 20€ Baumarktzwinge herauszubekommen! Ich habe versucht, dem entgegenzuwirken, indem ich nicht nur horizontal sondern auch vertikal Latten zum Zusammenpressen der Kantel verwendet. Ich habe sogar versucht, Zwingen aus Baustahl (in L-Form) selber zu bauen. Dadurch, dass ich aber zwei Einzelteile gemacht habe, war das eine am Ende etwas konkav und der andere Teil etwas Konvex (Umdrehen ging wegen der Oberfläche und der Verleimrichtung leider nicht). Die Einzelteile haben für sich zwar recht gut ausgesehen, aber am Schluss, als ich die beiden zusammengeleimt habe, ist durch die unterschiedlichen Durchbiegungen sehr sehr sehr viel HANDHOBEL-Arbeit geblieben um eine ebene Arbeitsfläche zu erzeugen. Am Schluss waren von meinen 80 mm Stärke 63 mm über! Auf 1800 mm Länge sehen 1,5 cm Biegung nicht viel aus, aber glaube mir: wenn man extra hartes Buchenholz auf diese Fläche um mehr als 1,5 cm abhobeln muss, und damals hatte ich dafür nur einen alten Stanley Schrupphobel zur Verfügung, kann man sich sämtliches Trainieren im Fitnesscenter für die nächsten Jahre sparen. Ich habe über einen Monat immer wieder abends nach der Arbeit diese Platte eben gehobelt. Wenn ich jetzt daran denke…nein, ich will nicht daran denken.

Arbeitsplatte Hobelbank verleimt
Ablängen der Arbeitsplatte mit der Handkreissäge

Was würde ich also heute anders machen?!

  1. Zuerst alle Kantel nochmal durch den Dickenhobel (damals hatte ich keinen Dickenhobel)
  2. Mit der Flachdübelfräse Führungsdübel setzen, damit die Kantel nicht während der Verleimung verrutschen (damals hatte ich keine Flachdübelfräse)
  3. Ausreichend Zwingen zum Verleimen. Verleimen in einem Durchgang (ich hatte damals nicht genug Zwingen)
  4. Sich dieses Ding (Rauhbank) kaufen/ausborgen:
Rauhbank, Raubank, Hobel
Eine Rau(h)bank (ein langer Hobel)

Wie viel einfacher und schneller wäre es gewesen, hätte ich all das Werkzeug besessen, dass ich jetzt zu Verfügung habe, aber ich habe es auch mit meinen primitiven Mitteln geschafft.

An dem Ende, an das die Zwinge kommen sollte, habe ich mich für folgende Konstruktion entschieden: Ich habe eine breite Feder am Ende ausgeschnitten und dann eine Leiste dazu angefertigt, die NICHT verleimt wurde! Meine Idee dabei war es, einerseits das Arbeiten der Tischplatte etwas zu verhindern und andererseits immer eine paralelle Kante zur Zwingenbacke zu haben. Die Leiste wird in der Horizontalen arbeiten (deswegen nicht verleimt) und die Platte in der Vertikalen, so sollen beide Bewegungen im Zaum gehalten werden. Wichtig ist, dass man die Leiste nicht verleimt (wie bei einer Gratfeder) da man sonst die Bewegung sperrt und die vordere Abschlußleiste die Verleimung der einzelnen Kantel der Tischplatte „auseinanderziehen“ könnte. Schöner wäre es natürlich gewesen, wäre die Frontleiste aus einem Stück gewesen, aber damals hatte ich eine weitere wichtige Lektion noch nicht gelernt:

Wenn du am Ende ein Brett mit 1200 mm x 40 mm x 30mm haben willst, dann kauf ein Stück Holz, das mindestens 1300 mm x 50 mm x 40 mm hat… und davon am besten gleich 2 Stück, falls etwas schief geht

Damit die Leiste aber nicht einfach abfällt, habe ich mich dazu entschlossen, ein verleimte Schwalbenschwanzverbindung an den Enden der Leiste anzubringen.

Dabei habe ich zuerst angzeichnet, dann mit Forstnerbohrern ausgebohrt und anschließend die Form mit Stemmeisen ausgearbeitet. Hier sieht man sehr schön, dass ich auf die Faserorientierung der Einlage geachtet habe, damit sie die Kräfte gut aufnehmen kann.

Damit endet der erste Part der selbst gebauten Hobelbank. Im zweiten Teil wird es um das Untergestellt gehen, ihr dürft gespannt sein!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Bauer Stefan

    Zum Abtragen der 1,5cm durch Hobeln: Hast du in Erwägung gezogen: erst Querschlitze in passender Tiefe, dann Abstemmen der Leisten zwischen den Schlitzen und erst zum Schluss
    Glatthobeln?

    1. Avatar-Foto
      Cultor

      Das ist natürlich eine gute Möglichkeit! Wenn die ursprüngliche Fläche schon plan ist und man einfach nur abtragen möchte geht das sehr gut, ansonsten muss man wieder die Säge oder Fräse irgendwie „plan“ über der Arbeitsplatte stationieren. Aber eine gute Möglichkeit, um eine Arbeitsplatte zu ebnen, ist es sicherlich 😉

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